Niederspannungshaupt­verteilung (NSHV): Planung, Bau und Prüfung

Wir planen, fertigen und prüfen Ihre Niederspannungshauptverteilung normgerecht nach DIN EN 61439 – vom Transformator bis zum letzten Abgang, komplett aus einer Hand.


Was ist eine Niederspannungshaupt­verteilung (NSHV)?

Eine Niederspannungshauptverteilung (NSHV) ist die zentrale Schaltgerätekombination, die elektrische Energie direkt nach dem Transformator oder Netzanschluss übernimmt und auf der Niederspannungsebene (in der Regel 400/230 V) auf die nachgelagerten Stromkreise eines Gebäudes oder einer Industrieanlage verteilt. Sie bildet die erste Verteilebene nach der Einspeisung und damit das Rückgrat der gesamten Energieversorgung.

In einer NSHV laufen Einspeisung, Sammelschienensystem und abgesicherte Abgänge zusammen. Leistungsschalter, Sicherungen und Schutzeinrichtungen sorgen dafür, dass einzelne Anlagenteile selektiv abgeschaltet und im Kurzschluss- oder Überlastfall sicher getrennt werden. Gebaut und geprüft wird eine Niederspannungshauptverteilung nach der Normenreihe DIN EN 61439. Typische Bemessungsströme reichen von einigen hundert Ampere bis über 7.000 A. Als bauartgeprüfte Schaltgerätekombination unterscheidet sie sich von nachgelagerten Unterverteilungen durch deutlich höhere Ströme und eine wesentlich höhere Kurzschlussfestigkeit.


Aufbau und Komponenten einer NSHV

Der Aufbau einer NSHV folgt einem klaren Prinzip: Die Energie fließt von der Einspeisung über das Sammelschienensystem zu den einzelnen Abgangsfeldern. Konstruktiv ist die Anlage dafür in getrennte Felder unterteilt, die je nach Anforderung an Verfügbarkeit und Personenschutz nach den Bauformen der inneren Unterteilung (Form 1 bis Form 4) voneinander abgeschottet werden.

  • Einspeisung und Leistungsschalter: Hier kommt der Strom an. Offene Leistungsschalter (ACB) oder Kompaktleistungsschalter (MCCB) sichern die Einspeisung ab, beherrschen im Kurzschlussfall enorme Energiemengen und dienen als zentraler Hauptschalter der Anlage.

  • Sammelschienensystem: Das Sammelschienensystem ist die „Autobahn“ für den Strom innerhalb der Verteilung. Es führt die Energie von der Einspeisung zu den Abgangsfeldern. Dimensionierung und Kurzschlussfestigkeit (Bemessungs-Kurzzeitstrom) sind hier die entscheidenden Qualitätsmerkmale.

  • Abgangsfelder: Über die Abgänge wird die Energie zu den nachgelagerten Installationsverteilern und großen Verbrauchern geführt – abgesichert durch Leistungsschalter oder Sicherungslasttrennschalter.

  • Koppelfelder: Koppelfelder verbinden oder trennen einzelne Sammelschienenabschnitte. Das erhöht die Ausfallsicherheit und ermöglicht Wartungsarbeiten im laufenden Betrieb.

  • Mess-, Schutz- und Steuertechnik: Messwandler, Schutzgeräte und Energiemesstechnik erfassen die Energieflüsse und bilden die Grundlage für ein modernes Energiemanagement.


Funktion: Von der Einspeisung bis zum Abgang

Die zentrale Funktion einer Niederspannungshauptverteilung ist die kontrollierte, sichere Verteilung der gesamten aufgenommenen Leistung. Vom Hauptschalter gelangt die Energie auf die Sammelschienen und von dort selektiv auf die einzelnen Abgänge. Der Begriff Selektivität ist dabei entscheidend: Bei einem Fehler schaltet nur die dem Fehler am nächsten liegende Schutzeinrichtung ab – der Rest der Anlage bleibt in Betrieb. Eine sauber gestaffelte Selektivität ist das, was eine professionell geplante NSHV von einer reinen Aneinanderreihung von Schutzgeräten unterscheidet, und der Grund, warum Versorgungssicherheit bereits in der Auslegung entschieden wird.


NSHV nach DIN EN 61439: Normen, Bemessung und Prüfung

Eine Niederspannungshauptverteilung ist eine bauartgeprüfte Schaltgerätekombination und unterliegt den Produktnormen DIN EN 61439-1 und -2 (VDE 0660-600). Diese Normenreihe regelt Nachweise, Grenzwerte und Prüfungen, mit denen die Sicherheit und Belastbarkeit der Anlage belegt werden. Entscheidend sind dabei unter anderem:

  • Bemessungsströme: Von wenigen hundert Ampere bis über 7.000 A – ausgelegt auf den tatsächlichen Leistungsbedarf inklusive Reserven.

  • Kurzschlussfestigkeit: Der Bemessungs-Kurzzeitstrom (Icw) legt fest, welche Kurzschlussenergie Sammelschienen, Felder und Schaltgeräte sicher beherrschen.

  • Schutzart und innere Unterteilung: IP-Schutzart und Bauform (Form 1–4) werden auf den Aufstellort und geforderten Personenschutz abgestimmt.

  • Abstimmung mit dem Netzbetreiber: Aufbau und Anschluss einer NSHV werden in der Regel mit dem zuständigen Netzbetreiber (nach dessen technischen Anschlussbedingungen) abgestimmt.

Die Prüfung erfolgt nach DIN EN 61439-1/-2. Wir dokumentieren den Bauartnachweis vollständig, sodass Ihre Anlage von der ersten Einspeisung an normkonform und rechtssicher betrieben werden kann.


Schutzkonzepte: Sicherheit für Personen und Anlage

Sicherheit ist in der Energieverteilung nicht verhandelbar. Wir planen jede NSHV mit einem mehrstufigen Schutzkonzept:

  • Überstromschutz: Selektiv gestaffelte Leistungsschalter und Sicherungen trennen im Fehlerfall nur den betroffenen Stromkreis.

  • Schutz gegen elektrischen Schlag: Isolierung, Abdeckungen und Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) verhindern gefährliche Berührungsspannungen.

  • Überspannungsschutz: Mehrstufige Ableiterkonzepte schützen vor Blitz- und Schaltüberspannungen und bewahren empfindliche Elektronik.

  • Störlichtbogenschutz: Ob aktiv oder passiv der Störlichtbogenschutz ist bei einer neuen Anlage von Beginn an einzuplanen und minimiert so Personen- und Sachschäden im Fehlerfall. In Bestandsanlagen ist eine nachträgliche Integration je nach Anlagentyp und Bauartnachweis nur projektabhängig möglich – wir prüfen das im Einzelfall.


Aufstellraum und bauliche Anforderungen an eine NSHV

Eine NSHV stellt konkrete Anforderungen an den Raum, in dem sie steht. In der Regel wird sie in einer abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätte aufgestellt: einem Raum, der ausschließlich dem Betrieb elektrischer Anlagen dient und verschlossen gehalten wird. Eine Nutzung als Lager oder Durchgangsraum scheidet damit aus. Zutritt haben Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen, Laien nur in deren Begleitung.

Für die Planung des NSHV-Raums sind vor allem diese Punkte entscheidend:

  • Bedien- und Wartungsgänge: Vor der Anlage muss ausreichend Platz zum sicheren Bedienen, Prüfen und Warten bleiben. Die Anforderungen an Gangbreiten, Türen und Fluchtwege regelt die DIN VDE 0100-729.

  • Türen und Fluchtwege: Türen elektrischer Betriebsstätten schlagen in Fluchtrichtung auf und müssen sich jederzeit von innen öffnen lassen.

  • Belüftung und Wärmeabfuhr: Jede NSHV erzeugt Verlustleistung. Der Raum braucht eine ausreichende Be- und Entlüftung, bei hoher Leistungsdichte auch eine aktive Kühlung.

  • Einbringung und Statik: Transportwege, Türbreiten, die Raummaße (insbesondere die Raumhöhe) und die Tragfähigkeit des Bodens müssen zu Gewicht und Feldabmessungen der Anlage passen.

  • Umgebungsbedingungen: Temperatur, Feuchte und Staubbelastung bestimmen die erforderliche IP-Schutzart mit. Bei Außenaufstellung gelten erhöhte Anforderungen an Gehäuse und Schutzart.

Wir berücksichtigen und prüfen den vorgesehenen Aufstellort bereits in der Planungsphase und stimmen Feldaufteilung und Abmessungen der NSHV darauf ab. So vermeiden Sie teure Überraschungen bei der Montage.


Schaltplan und Anlagendokumentation

Zu jeder NSHV gehört eine vollständige Dokumentation – sie ist Voraussetzung für Abnahme, Betrieb und alle späteren Prüfungen. Den technischen Kern bildet der Schaltplan:

  • Übersichtsschaltplan: Stellt die Anlage im Überblick dar – Einspeisungen, Sammelschienen, Kupplungen und Abgänge auf einen Blick.

  • Stromlaufplan: Zeigt die einzelnen Stromkreise im Detail, inklusive Schutz-, Mess- und Steuergeräten.

  • Aufbau- und Klemmenpläne: Dokumentieren Feldaufteilung, Einbauorte und Anschlussbelegung.

Ergänzt wird der Schaltplan durch Stückliste, Bauartnachweis nach DIN EN 61439, Prüfprotokoll und Betriebsanleitung. Wir erstellen die Schaltpläne CAD-gestützt und übergeben die Dokumentation vollständig – auf Wunsch als Revisionsunterlage, die wir bei Umbauten und Erweiterungen aktuell halten. Die rechnerische Grundlage für die Auslegung liefert dabei häufig eine Netzberechnung mit SIMARIS.


NSHV, Unterverteilung und Niederspannungsschaltanlage: die Abgrenzung

Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt. Für die richtige Planung lohnt die klare Einordnung:

  • Niederspannungshauptverteilung (NSHV): Die erste Verteilebene direkt nach Transformator oder Netzanschluss. Sie führt die höchsten Ströme und verteilt die Energie grob auf die nachgelagerten Ebenen.

  • Unterverteilung (UV): Wird von der NSHV gespeist, sitzt dezentral (z. B. je Etage oder Hallenabschnitt) und versorgt Endstromkreise. Häufig realisiert als Installationsverteiler.

  • Niederspannungsschaltanlage: Der Oberbegriff für die bauartgeprüfte Schaltgerätekombination selbst – die NSHV ist die als Hauptverteilung ausgeführte Niederspannungsschaltanlage. Ein bewährtes System hierfür ist die SIVACON S8 von Siemens.


NSHV von Langer E-Technik: von der Planung bis zur Inbetriebnahme

Als familiengeführter Betrieb mit über 75 Jahren Erfahrung im Schaltanlagenbau planen und fertigen wir Ihre Niederspannungshauptverteilung komplett aus einer Hand. Als erster Siemens SIVACON Technology Partner seit 2002 verbinden wir geprüfte Systemtechnik mit jahrzehntelanger Fertigungserfahrung.

  • Individuelle Auslegung: Jede NSHV wird exakt auf Ihre Laststruktur, Ihre Netzform (z. B. TN-C, TN-S oder IT) und Ihre Reserven für zukünftige Erweiterungen zugeschnitten.

  • Eigene Fertigung: Der Aufbau erfolgt in unserer eigenen Werkstatt – kurze Wege, volle Kontrolle über Qualität und Termine.

  • Geprüfte Sicherheit: Wir bauen und dokumentieren konsequent nach DIN EN 61439.

  • Service über die Inbetriebnahme hinaus: Auf Wunsch übernehmen wir die wiederkehrende DGUV V3-Prüfung und die Wartung Ihrer Anlage.

Fazit: Niederspannungshaupt­verteilung als geprüfte Komplettlösung


Die Niederspannungshauptverteilung entscheidet über die Versorgungssicherheit Ihres gesamten Betriebs – von der Selektivität bis zur Kurzschlussfestigkeit wird ihre Qualität in der Auslegung bestimmt. Als erster Siemens SIVACON Technology Partner seit 2002 und mit über 75 Jahren Erfahrung planen, fertigen und prüfen wir Ihre NSHV normkonform nach DIN EN 61439 aus einer Hand und sorgen so für den sicheren Betrieb Ihrer Anlagen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur NSHV


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Nicolas Busch

Geschäftsführung

Nicolas Busch ist Geschäftsführer von Langer E-Technik, einem der führenden Unternehmen im Elektrohandwerk mit jahrzehntelanger Erfahrung in Energietechnik, Schaltanlagenbau und Service. Mit seinem Hintergrund in Elektrotechnik, Betriebswirtschaft und Marketing begleitet er Industrie- und Gewerbekunden bei der Umsetzung zukunftssicherer elektrotechnischer Lösungen. Seine Fachbeiträge basieren auf langjähriger Praxiserfahrung aus der täglichen Projektarbeit.

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